Wenn ein Regisseur wie George Lucas über Science-Fiction spricht, hören Fans auf der ganzen Welt genau hin. Schließlich war es Lucas, der mit dem Start von „Star Wars“ im Jahr 1977 die Messlatte für das Genre neu setzte. Was er jedoch selbst über seine eigene Schöpfung denkt, überrascht dann doch.

Denn obwohl „Star Wars“ weltweit Kultstatus besitzt und Filmgeschichte geschrieben hat, sieht Lucas ein anderes Werk als das wahre Meisterstück im Science-Fiction-Genre. Die Rede ist von Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Neun Jahre vor dem ersten Sternenkrieg inszenierte Kubrick einen Film, der bis heute als einer der stilprägendsten, visionärsten und technisch bahnbrechendsten Beiträge zur Kinogeschichte gilt.

„Stanley Kubrick hat den definitiven Science-Fiction-Film gemacht […]“

Und Lucas ist sich sicher: „Stanley Kubrick hat den definitiven Science-Fiction-Film gemacht, und es wird sehr schwierig sein, dass jemand kommt und einen besseren Film macht [...] Auf technischer Ebene kann ,Star Wars' durchaus mithalten, aber ich persönlich halte ,2001' für viel besser.“ Das Urteil wiegt schwer, schließlich stammt es von demjenigen, der mit „Star Wars“ nicht nur ein gigantisches Franchise aus der Taufe hob, sondern auch das Blockbuster-Kino der folgenden Jahrzehnte prägte.

Die Wirkung von Lucas' Weltraumepos auf Popkultur, Merchandise und Erzählstrukturen im Mainstream-Film ist kaum zu überschätzen. Dennoch verneigt sich der Schöpfer der Jedi-Saga vor Kubricks Werk, das ihn nicht nur beeinflusst, sondern nachhaltig geprägt hat. „2001: Odyssee im Weltraum“ war in vielerlei Hinsicht ein radikaler Bruch mit den Konventionen seines Genres.

Wo in den 1950er-Jahren noch Monsterfilme mit dünner Handlung dominierten, setzte Kubrick auf Rätsel, Atmosphäre und Tiefgang. „Das erste Mal, dass die Leute Science-Fiction ernst nahmen“, stellt Lucas rückblickend fest. Und tatsächlich: Mit seiner fast meditativen Bildsprache, dem philosophischen Unterton und der kühnen Erzählweise machte „2001: Odyssee im Weltraum“ klar, dass Science-Fiction mehr sein konnte als Unterhaltung – sie konnte Kunst sein.

Auch tricktechnisch spielt der Film für Lucas in einer ganz eigenen Liga: „Was die traditionellen Spezialeffekte angeht, so ist dies der Höhepunkt. Wenn man auf die ersten 70 Jahre zurückblickt, ist dies [tricktechnisch] der beste Film. Und das wird er auch immer bleiben.“ Dabei hatte Lucas selbst mit „Star Wars“ die Tricktechnik auf ein neues Level gehoben und mit der Gründung von Industrial Light & Magic die visuelle Sprache des modernen Kinos geprägt.

Einfluss Kubricks bleibt unbestritten

Doch der Einfluss Kubricks bleibt unbestritten – nicht nur auf Lucas, sondern auch auf nachfolgende Regisseure wie Denis Villeneuve, Steven Spielberg oder Peter Hyams, die in „2001“ eine kreative Inspirationsquelle sehen. Was George Lucas mit „Star Wars“ geschaffen hat, bleibt davon ab aber auf ewig ein Meilenstein – ein popkulturelles Schwergewicht, das weltweit Generationen von Zuschauerinnen und Zuschauern begeisterte. Und dennoch zeigt seine Einschätzung zu „2001: Odyssee im Weltraum“, dass auch ein Meister seines Fachs ehrfürchtig auf das Werk eines anderen blicken kann.

Quelle: filmstarts.de