Osgood Perkins hat sich in den letzten Jahren endgültig als einer der auffälligsten Stimmen des modernen Horrorfilms bewiesen. Mit Genrefilmen wie „Longlegs“ und „The Monkey“ lieferte er zwei Filme ab, die sich durch leise, hinterhältige Schockmomente, eine stetig lauernde Bedrohung und eine unverwechselbare Handschrift deutlich vom üblichen Genrealltag absetzten. Seit heute läuft mit „Keeper“ sein neuester Horror im Kino.
Wir haben uns den Streifen direkt angesehen und schnell wurde klar, dass Perkins auch dieses Mal einen Albtraum entfaltet, der unscheinbar startet und sich dann erbarmungslos steigert. Im Mittelpunkt steht ein Paar, das für ein Jubiläum in eine abgelegene Hütte reist. Ein Setting, das Horror-Fans natürlich sofort als Warnsignal verbuchen. Doch statt einfach bekannte Muster abzuspulen, nutzt Perkins diese scheinbar harmlose Ausgangslage als Sprungbrett für etwas wesentlich Düstereres und zieht die Schraube mit jeder Szene weiter an.
Schon die ersten Minuten ziehen in eine verstörende und unheimliche Welt, die sofort alle Alarmglocken schrillen lassen. Frauen aus verschiedenen Zeitepochen, mal strahlend, mal verführerisch, später blutüberströmt und in purer Panik. Fragmente eines Fluchs, der sich durch die Geschichte zieht und durch die Hintertür zuschlägt. Dieser Einstieg schafft eine Stimmung, die wie ein kalter Luftzug durch den ganzen Film weht.
Im Zentrum stehen Liz und Malcolm, die sich wie eingangs erwähnt ein Wochenende in einer Waldhütte gönnen. Natürlich mitten im Nichts. Horror-Klassiker! Anfangs bleiben die mysteriösen und unheimlichen Störungen allerdings angenehm vage. Ein seltsam dekorierter Schokokuchen, der wie aus dem Nichts auftaucht, die leicht verstörende Art von Malcolms Cousin, der zusammen mit einer geheimnisvoll stillen Begleitung auftaucht, und diese Atmosphäre in der Hütte, die sich nie völlig neutral anfühlt.
Alles wirkt leicht verschoben, als würde etwas im Hintergrund warten, bis man sich entspannt – nur um dann zuzuschlagen. Als Malcolm plötzlich in die Stadt muss, kippt die Stimmung komplett. Liz bleibt allein zurück, und ab hier verwandelt sich „Keeper“ in ein enges, beklemmendes Kammerspiel. Die Hütte wirkt auf einmal größer und gleichzeitig enger, als würden die Wände lauschen. Geräusche hallen länger nach, Schatten bleiben einen Moment zu lang stehen.
Perkins arbeitet hier mit minimalen, präzisen Horrorimpulsen, die mehr auf die Psyche zielen als auf laute Schocks. Rossif Sutherland bringt Malcolm eine ruhige, fast schwerfällige Intensität mit, wobei Tatiana Maslany der emotionale Dreh- und Angelpunkt des Films ist. Ihr Spiel macht die Gefahr greifbar, ohne je ins Übertriebene zu gehen. Jeder Blick, jede Reaktion sitzt. Beide liefern genau das ab, was der Film braucht.
Ohne die starken Auftritte von Sutherland und speziell Maslany würde „Keeper“ nicht die Wirkung entfalten, die ihn trägt. Auffällig stark ist hierbei die visuelle Gestaltung, die mit ungewohnten Blickwinkeln und exakt gesetzten Einstellungen eine spürbare Intensität erzeugt. Kameramann Jeremy Cox verstärkt das mit brillanten Bildern, die wirken, als würde man durch eine Linse schauen, die die Realität langsam verzerrt.
Enge Frames, schräge Perspektiven und feine Bewegungen im Hintergrund. Ja, das alles erzeugt einen Sog, der immer stärker wird. Wer etwas kritisieren möchte, findet es vermutlich darin, dass sich bei genauer Beobachtung recht früh abzeichnet, welche Figuren welche Rollen einnehmen. Nicht das Ende selbst wird vorhersehbar, sondern die Verteilung von Gut und Böse. Und obwohl der Schluss von „Keeper“ eindrucksvoll inszeniert ist, bleiben mehrere Punkte offen, für die der Film keinerlei Hinweise liefert.
Trotzdem weckt „Keeper“ Assoziationen zu Genre-Klassikern wie „Shining“ oder dem finsteren „The Witch“. Das Ergebnis ist ein hypnotisch anmutendes Horrorerlebnis, das sein Publikum unweigerlich in unterschiedliche Lager treiben dürfte. Alles in allem bleibt Perkins konsequent seinem Stil treu und setzt auf ein Psycho-Spiel, das bekannte Genre-Elemente nimmt und sie eigenwillig verdreht. Statt sich in bekannte Muster zu flüchten, zieht „Keeper“ in ein Spiel, das ständig an der Grenze zwischen Realität und Wahn balanciert.
Die übernatürlichen Erscheinungen wirken wie Fremdkörper aus einer anderen Ebene, die sich langsam in die Welt von Liz schieben, bis man nicht mehr sagen kann, wo das Menschliche endet und das Unheimliche beginnt. Perkins setzt keine Effekte zum Selbstzweck ein, sondern baut eine Bedrohung auf, die mit jeder Minute dichter wird. Genau darin liegt die Kraft von „Keeper“, der das Grauen nämlich in aller Ruhe aber unaufhaltsam wachsen lässt. Für alle, die sich gern in rätselhaften, unkonventionellen Horrorerlebnissen verlieren, dürften hier reichlich Freude im Kino finden.
:quality(90))