„In a Violent Nature“ ist ein Streifen, der in diesem Jahr das Horror-Genre ordentlich durcheinanderwirbelt hatte. Hier trifft eine unerwartet ruhige Erzählweise auf brutale Effekte, und genau dieser Kontrast macht den Film zu einem echten Hingucker für Fans des Slasher-Kinos. Nun ist „In a Violent Nature“ nicht mehr allein dem Kinosaal vorbehalten, sondern auch fürs heimische Wohnzimmer verfügbar.

Als 3-Disc Limited Collector’s Mediabook (UHD + Blu-ray + Bonus-Blu-ray) sowie auf Blu-ray und DVD kommt der Streifen in ein Format, das Sammlerherzen höherschlagen lässt. Verantwortlich für dieses ungewöhnliche Slasher-Experiment ist Regisseur Chris Nash, den man bislang vor allem durch seine Filme „The ABCs of Death 2“ oder „23 Ways To Die“ wahrgenommen hat. Mit seinem neuen Werk begibt er sich nun auf vollkommen neues Terrain und drückt dem Slasher-Genre seinen ganz eigenen Stempel auf.

Hallo, hier ist Johnny

Wer also nicht nur auf stumpfe Axtschwingerei steht, sondern bereit ist, sich auf etwas Abgefahrenes einzulassen, sollte sich „In a Violent Nature“ unbedingt näher ansehen. Die Geschichte ist dabei bewusst anders aufgebaut als das, was man sonst von herkömmlichen Slashern kennt. Statt einfach ein paar Teenager durch den Wald zu jagen, bietet „In a Violent Nature“ eine bemerkenswert zurückhaltende, fast schon tranceartige Erzählweise. Die Handlung dreht sich um einen untoten Killer namens Johnny, der in einer entlegenen Region Kanadas nach rund 60 Jahren aus seinem Schlummer gerissen wird.

Ein alter Talisman, gefunden von einer Gruppe junger Leute, setzt diese Rückkehr in Gang. Diese unvorsichtigen Entdecker ahnen zunächst nicht, was für ein uraltes Übel sie dadurch wieder auf die Bühne des Grauens holen. Johnny, verkörpert von Ry Barrett, nimmt sich nicht einfach die nächstbeste Machete und legt los, sondern agiert wie eine finstere Naturgewalt, die sich beharrlich ihren Weg bahnt. Statt hektischer Schnitte und nervtötender Musik verlässt sich Nash auf ein bedächtiges Tempo und lange, unbewegte Kameraeinstellungen.

Verweigerung konventioneller Genre-Regeln

Als Inspirationsquelle hat Nash immer wieder Terrence Malick erwähnt, dessen Filme bekannt sind für lange Einstellungen, meditative Ruhe und weitläufige Naturbilder. Wer also normalerweise bei Slashern auf eine laut röhrende Motorsäge und lautes Geschrei wartet, wird sich hier in einer ungewohnten Atmosphäre wiederfinden. „In a Violent Nature“ verweigert sich konventionellen Genre-Regeln, spielt stattdessen mit den Erwartungen der Zuschauer und liefert fast schon eine filmische Beschaulichkeit über Gewalt und Vergänglichkeit.

Diese Ambitionen spiegeln sich nicht nur in der Erzählweise, sondern auch in der Optik wider. Kein permanenter Soundtrack zermürbt die Nerven, stattdessen herrscht oft Stille, was den Momenten brutaler Ausbrüche umso mehr Kraft verleiht. Und wenn es dann zur Sache geht, lässt Nash ordentlich die Fetzen fliegen. Denn hinter all der scheinbaren Ruhe verbirgt sich ein Film, der Blut und Effekte nicht scheut. Praktische Make-up-Kunst sorgt dafür, dass die Effekte handfest und greifbar wirken.

Meditatives Kino trifft auf ultrabrutale Kills

Hier trifft meditatives Kino auf ultrabrutale Kills, die gerade dem härteren Teil der Fangemeinde den nötigen Adrenalinkick liefern dürften. Ein Slasher mit Arthouse-Vibe, der seine Zuschauer in einen seltsamen Bann zieht und sich weder als klassischer Schocker noch als simpler Kunstfilm einordnen lässt, ist nun wirklich nicht alltäglich. Nash zeigt, dass man das Genre mit geringem Tempo und ungewöhnlichen Mitteln neu denken kann.

Wer sich auf dieses Experiment einlässt, wird feststellen, dass sich hinter den harten Bildern und der hypnotischen Inszenierung etwas verbirgt, das tiefer geht als der bloße Drang nach Schockmomenten. „In a Violent Nature“ bietet einen visuell intensiven Trip, bei dem man fast glaubt, die Natur selbst würde morden. Die Kombination aus unkonventionellem Erzählstil, massiven Gore-Einlagen und einer ungewöhnlichen Perspektive – der Blick durch die Augen des Killers – hebt den Film deutlich von typischen Vertretern des Genres ab.

Grenzspiel zwischen zwei Welten

Wer sich von starren Regeln lösen kann und offen ist für ein Format, das sich irgendwo zwischen meditativem Arthouse-Kino und schmutzigem Splatter bewegt, sollte hier mal genauer hinschauen. Und für alle, die von klassischen Slashers längst gelangweilt sind, könnte dieses Werk ein interessantes Gegenstück bilden, das die bekannten Konventionen in seine Einzelteile zerlegt und neu zusammensetzt.

„In a Violent Nature“ ist somit weder einfaches Hack-and-Slash noch nur künstlerische Kopfgeburt, sondern ein ungewöhnliches Grenzspiel zwischen zwei Welten. Diese Mischung macht den Streifen zu einem intensiven Horrortrip, von dem die einen fasziniert sind und die anderen einfach nur staunen.

„In a Violent Nature“ (Capelight Pictures) als 3-Disc Limited Collector’s Mediabook (UHD + Blu-ray + Bonus-Blu-ray), Blu-ray und DVD erhältlich. VÖ: 12. Dez. 24