In einer Branche, die sich nur selten einig ist, sorgt eine aktuelle Auswertung für ein recht klares Statement. Und das ausgerechnet im oft unterschätzten Horror-Genre. Denn mehr als 500 Filmschaffende, darunter Regie-Legenden, Schauspielgrößen und andere Profis aus dem Business, wurden von der „New York Times“ nach den besten Filmen des 21. Jahrhunderts befragt.
In einem Mix aus Arthouse, Blockbuster und Genreperlen haben sie ein Ranking aufgestellt, das zeigt, welche Filme das moderne Kino am nachhaltigsten geprägt haben. Und dabei hat sich ein Horrorfilm durchgesetzt, der das Kino-Publikum 2017 eiskalt überrascht hat: „Get Out“. Jordan Peeles Horror-Hit „Get Out“ landete im Gesamtranking auf dem achten Platz.
Das bedeutet nicht nur einen Platz in den Top Ten, sondern vor allem die Krönung zum besten Horrorfilm der letzten 25 Jahre. Denn kein anderer Genrebeitrag hat es unter die besten 100 geschafft. Während an der Spitze der südkoreanische Meisterwurf „Parasite“ thront, hat sich Jordan Peeles Regiedebüt still und effektiv zum unangefochtenen Horrorkönig hochgearbeitet.
2017 schlug „Get Out“ hohe Wellen und überzeugte weltweite Kritiker und Genre-Fans. Die Mischung aus Gesellschaftssatire, Psycho-Horror und messerscharfer Rassenkritik traf damals einen Nerv, den das Genre in dieser Form lange nicht mehr erreicht hatte. Peele nahm das klassische „Fremd-in-der-Familie“-Motiv und drehte es mit verstörendem Feinsinn durch die Mangel eines modernen Albtraums.
Bei Rotten Tomatoes steht „Get Out“ übrigens bis heute bei sagenhaften 98 Prozent positiver Kritiken. Eine Wertung, die für Horrorfilme extrem selten ist. „Get Out“ handelt vom jungen Fotografen Chris (Daniel Kaluuya) der mit seiner weißen Freundin Rose aufs Land fährt, um deren Eltern kennenzulernen. Ihre Familie gibt sich freundlich, fast schon zu freundlich – und genau da beginnt der Horror.
Catherine Keener und Bradley Whitford als Roses Eltern setzen dabei dem Ganzen die Krone auf: scheinbar liberal, doch irgendetwas stimmt hier nicht. „Get Out“ baut seine Spannung nicht über Schockmomente auf, sondern über subtile Verschiebungen in der Atmosphäre. Ein unwohles Gefühl kriecht durch jede Szene und entlädt sich schließlich in einem Finale, das einem noch lange nachhängt.
„Get Out“ überzeugte dabei nicht nur damit, weil er Horror mit Gesellschaftskritik verknüpfte, sondern weil er zeigte, wie effektiv das Genre als Spiegel aktueller Ängste funktionieren kann. „Get Out“ ist daher nicht nur ein Film über Rassismus, sondern auch über Manipulation, soziale Maskerade und die dunklen Seiten scheinbar aufgeklärter Milieus.
Dass ausgerechnet dieser Film von Hollywoods Elite als wichtigster Horrorbeitrag seit der Jahrtausendwende ausgewählt wurde, überrascht nur auf den ersten Blick. Denn er steht für eine neue Art von Genre-Kino. Jordan Peele hat mit seinem Debütfilm bewiesen, dass Horror mehr sein kann als bloßer Nervenkitzel. Und Hollywood hat offenbar genau hingesehen.
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