„Gefährliche Liebschaften“ bekommt ein neues Kapitel und dieses Mal mischt Netflix im Spiel der Intrigen mit. Ein Klassiker, der schon seit Jahrhunderten für erhitzte Gemüter sorgt, soll nämlich erneut modern interpretiert werden. Mutig, denn ein ähnlicher Versuch bei Amazon Prime Video ging gerade erst ordentlich baden und das ziemlich krachend.

Der französische Briefroman von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos lieferte seit 1782 den Stoff für einige der ikonischsten Romance-Thriller-Adaptionen der Filmgeschichte. Die große Leinwandversion von Stephen Frears aus dem Jahr 1988, ebenfalls „Gefährliche Liebschaften“, hat mit Glenn Close, John Malkovich und Michelle Pfeiffer bis heute den Status eines Must-See-Kostümdramas.

„Eiskalte Engel“ wurde zum Kulthit

Parallel entstand damals „Valmont“, doch diese Version musste sich geschlagen geben und verschwand im Schatten des Oscar-Triumphs. Über die Jahrzehnte wurde die Vorlage immer wieder neu verpackt, verwandelt, übersetzt, modernisiert. Klassiker bleiben eben langlebig, besonders wenn es um manipulative Machtspiele in der Elite geht.

Selbst zeitgenössische Umsetzungen gab es zuhauf, darunter mehrere südkoreanische Interpretationen. Doch so richtig berühmt zündete es dann Ende der 90er. Nämlich mit Roger Kumbles „Eiskalte Engel“ aus dem Jahr 1999, der Intrigen in Designer-Outfits salonfähig machte und dem Stoff einen rotzigen Teen-Vibe mit Sarah Michelle Gellar, Ryan Phillippe und Reese Witherspoon verpasste, Kultstatus inklusive.

Amazons Serienadaption ging baden

Genau diese Nostalgiewelle wollte Amazon Prime Video jüngst reiten und landete damit krachend auf dem Boden. Ein Serien-Remake kam Ende 2024 auf die Plattform, stürzte jedoch nach nur einer Staffel ab. Abgesetzt, vorbei, vergessen. Der Stoff ist also nicht automatisch ein sicherer Hit, selbst wenn er seit mehr als zwei Jahrhunderten Aufmerksamkeit generiert.

Und jetzt? Jetzt versucht es Netflix und setzt dabei auf einen frischen Ansatz. Nicôle Lecky, bekannt aus „Mood“, übernimmt die Umsetzung. Sie soll den Stoff ins London der Gegenwart verlagern, hinein in die Welt der finanziellen Elite, in der Luxus, Macht und gesellschaftliches Prestige genauso hart umkämpft sind wie die Herzen und Körper. Ein Writers’ Room in London ist bereits aktiv. Vergleichbare Vibes wie bei „Eiskalte Engel“ lassen sich kaum vermeiden, zumindest vom Setting her.

Herzzerreißender und fesselnder erotischer Thriller

Wie ambitioniert dieses Projekt gedacht ist, verrät eine Beschreibung des Branchenmagazins „Deadline“. Dort heißt es, die neue Version werde ein „rund um die Welt spielender, herzzerreißender und fesselnder erotischer Thriller“. Außerdem geplant sei „eine unerschrockene Erforschung von Macht, Reichtum, Rasse und Romantik inmitten der unverblümten sexuellen Gelüste der britischen herrschenden Klasse und der Neureichen-Eliten“. Bleibt abzuwarten, ob Netflix hier ein neues Prestigeprojekt formt oder ob „Gefährliche Liebschaften“ nach dem Amazon-Desaster erneut zur Stolperfalle wird.

Quelle: filmstarts.de