In seinem neuen Film „Führer und Verführer“ widmet sich Regisseur Joachim A. Lang einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte: Der Zeit des Nationalsozialismus und dem verbrecherischen System der Propaganda unter Joseph Goebbels. Das historische Drama gibt es nun für das Heimkino auf DVD und Blu-ray und zeigt die manipulativen Mechanismen, die es der NS-Diktatur ermöglichten, Millionen Menschen zu beeinflussen und Unvorstellbares in die Tat umzusetzen.
„Führer und Verführer“ beleuchtet hierbei die Jahre von 1938 bis zum bitteren Ende 1945 und geht dabei tief ins Zentrum der Macht. Alles beginnt mit dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs im März 1938 und endet mit dem Untergang im Führerbunker im Mai 1945. In diesen knapp sieben Jahren entfaltet sich eine Tragödie, die 60 Millionen Menschen das Leben kostete, darunter sechs Millionen ermordete Juden.
Joachim A. Lang zeigt diese Geschichte mit einem Fokus auf die Mechanismen der Verführung und der Propaganda – und zeichnet damit ein eindringliches Bild davon, wie Manipulation zu einem Massenverbrechen führen konnte. Robert Stadlober spielt dabei die Rolle des Joseph Goebbels mit einer intensiven Überzeugungskraft. Er zeigt Goebbels als den „Meister der Verführung“, einen Mann, der bereit war, jedes Mittel zu nutzen, um die Ideologie des Nationalsozialismus zu verbreiten.
Seine Darstellung des Mannes hinter der NS-Propaganda beeindruckt durch Detailtreue in der Gestik und Mimik, aber auch durch die emotionale Kälte und den berechnenden Ehrgeiz, der Goebbels antrieb. An seiner Seite agiert Franziska Weisz in der Rolle der Magda Goebbels, die das Bild einer Frau vermittelt, die zwar im System mächtig ist, aber ebenso von ihm gefangen wird. Fritz Karl als Adolf Hitler vervollständigt das Trio der Hauptakteure und bringt die beängstigende Mischung aus Manipulation und Zerstörungswillen eindrucksvoll auf den Bildschirm.
In „Führer und Verführer“ wird bewusst auf eine inszenierte, stilisierte Darstellung verzichtet, stattdessen wählt der Film eine Annäherung über verbriefte Dialoge und echte historische Dokumente. Diese werden geschickt durch selten gezeigte Archivaufnahmen und Interviews mit Überlebenden des Holocaust ergänzt. Diese Kombination aus Fiktion und Realität schafft eine bedrückende Atmosphäre.
Während die Darstellung der zentralen Figuren authentisch und emotional packend ist, gelingt es „Führer und Verführer“ auch, die Mechanismen der Propaganda im Detail zu entlarven. Die Verführer - allen voran Goebbels - nutzen das aufkommende Medium Film sowie Radio und andere Techniken, um die Bevölkerung zu manipulieren. Der Film gibt so auch einen mahnenden Einblick in die Gefahren, die der Missbrauch von Medien mit sich bringen kann.
Aber nicht alles gelingt in „Führer und Verführer“ gleich gut. Einige Kritikpunkte sind nicht zu übersehen. Insbesondere die Kostüme und die Maskenarbeit bleiben hinter den Erwartungen zurück. Auch die historisch korrekte Darstellung der Altersunterschiede einiger Figuren scheint vernachlässigt worden zu sein, was den Realismus mancher Szenen beeinträchtigt.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die teilweise zu plakative Integration der Interviews mit Zeitzeugen. Zwar geben die Aussagen Überlebender wichtige Einblicke, doch in der Montage des Films wirken sie zu abrupt eingefügt und reißen mitunter aus der eigentlichen Handlung heraus. Davon ab überzeugt „Führer und Verführer“ aber mit der rohen Darstellung der historischen Gräuel, einschließlich unverblümter Bilder von den SS- und KZ-Verbrechen. Vor allem wird hier nichts beschönigt, es bleibt kein Raum für den Versuch, das Geschehen zu relativieren.
Stattdessen führt der Film die volle Schrecklichkeit der Ereignisse vor Augen und setzt einen deutlichen Kontrast zu den glänzenden, dramatisierten Hollywood-Versionen der NS-Zeit. Somit ist „Führer und Verführer“ ein Film, der eine harte, unverblümte Wahrheit zeigt und sich bewusst gegen die ästhetisierende Verklärung dieser dunklen Zeit wendet. Dank seiner überzeugenden Darsteller, insbesondere Robert Stadlober als Joseph Goebbels, und der bedrückenden Atmosphäre gelingt es dem Film, mitzureißen und zum Nachdenken anzuregen.
„Führer und Verführer“ (Wild Bunch Germany) VÖ: 22. Nov. 24
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