Wenn einer mit 90 Jahren noch provoziert, fliegt, klagt und Theater leitet, dann ist das kein gewöhnlicher Rentner. Nein, sondern Dieter Hallervorden! Der „letzte große Narr der Republik“ wird am 5. September 2025 stolze neun Jahrzehnte alt. Und Das Erste feiert den Bühnen- und Bildschirmrebellen mit der umfassenden Dokumentation „Hallervorden – Didi gegen den Rest der Welt“.
Die Doku ist ab dem 31. August 2025 in der ARD Mediathek abrufbar, einen Tag später dann auch im Free-TV zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Was auf den ersten Blick wie ein feierlicher Rückblick klingt, entpuppt sich schnell als tiefschürfender Seelenstriptease mit überraschend privaten Einblicken. Denn Hallervorden war nie nur „Didi“, der Slapstick-König aus „Nonstop Nonsens“ oder der schräge Doppelgänger im Kinoklassiker.
In „Hallervorden – Didi gegen den Rest der Welt“ geht es um mehr: um die Widersprüche eines Mannes, der sich nicht in eine Schublade pressen ließ und auch nicht ließ. Regie geführt haben Simon Tanschek und Lukas Hoffmann, die Hallervorden nicht nur bei Proben, Premieren und Reisen begleiten, sondern auch dort filmen, wo bislang kaum Kameras zugelassen wurden. Nämlich auch in seiner Berliner Wohnung, in der Künstlergarderobe, auf seiner sagenumwobenen Privatinsel in der Bretagne.
Laut der offiziellen Ankündigung sollen in der Doku auch „Momente eingefangen werden, in denen selbst einer wie er nicht mehr ausweichen kann“. Nicht nur Hallervorden selbst, auch seine Familie kommt ausführlich zu Wort. Tochter Nathalie Hallervorden und Sohn Johannes, beide selbst Schauspieler, zeichnen das Bild eines Familienvaters, der seine eigenen Ideale lebt. Auch wenn sie nicht immer mit den Vorstellungen der jüngeren Generation harmonieren.
Ehefrau Christiane Zander sowie langjährige Weggefährten und Kritiker steuern ebenfalls ihren Blick auf den Künstler bei, der nicht nur auf, sondern auch abseits der Bühne polarisiert. Dieter Hallervorden – das ist auch die Geschichte eines Mannes, der aus der DDR floh, in jungen Jahren tatsächlich erwog, Walter Ulbricht zu töten, und dem jahrzehntelang niemand so recht was zutraute.
Trotzdem wurde er ein Star, ein Slapstick-Rebell, der später als Charakterdarsteller in Filmen wie „Sein letztes Rennen“ und „Honig im Kopf“ völlig neue Seiten zeigte. Und auch heute, mit bald 90 Jahren, bleibt er unbequem. Ob mit provokanten Songs, bissigen Bühnenstücken oder einem Sketch, der bei „75 Jahre ARD“ für Diskussionen sorgte. Hallervorden sagt, was er denkt. Und das manchmal lauter, als es vielen lieb ist.
„Wer verstehen will, warum jemand, der einst ein Attentat auf das DDR-Regime plante, auch mit 90 noch politisch aneckt und seine Meinung lautstark ohne Rücksicht auf Verluste kundtut, bekommt hier Antworten“, heißt es von offizieller Seite bezüglich der Doku „Hallervorden – Didi gegen den Rest der Welt“. Sie will nicht verklären, sondern erklären. Warum Hallervorden den Applaus braucht und ihn gleichzeitig fürchtet.
Warum er lieber provoziert als schweigt. Und warum er sich immer wieder neu erfindet, statt sich mit dem Altbewährten zufrieden zu geben. Im Anschluss an die Doku „Hallervorden – Didi gegen den Rest der Welt“ folgt um 21.45 Uhr im Ersten übrigens sein Film „Sein letztes Rennen“.
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