Wer auf intensiven bis schockierenden Folk-Horror steht, kommt nun im Heimkino mit „Des Teufels Bad“ einen ganz besonderen Streifen des Genres auf DVD und Blu-ray zu sehen. Dabei erwartet einen kein locker-flockiges Popcorn-Kino, sondern eine intensive Reise in das düstere 18. Jahrhundert. Der Folk-Horror-Streifen stammt von Veronika Franz und Severin Fiala, die sich bereits mit „Ich seh, ich seh“ einen Namen machten und hier erneut ihr Können unter Beweis stellen.

In diesem finsteren Kapitel der europäischen Geschichte beleuchtet „Des Teufels Bad“ eine Welt, in der Glaube, Macht und gesellschaftliche Zwänge eng verwoben sind. Angesiedelt in Oberösterreich um 1750, folgt „Des Teufels Bad“ der tiefgläubigen, sensiblen Agnes, die Wolf heiratet und dadurch in eine dörfliche Gemeinschaft hineingerät, die ihr mehr wie ein Gefängnis erscheint als ein Zuhause.

Folk-Horror trifft auf Geschichtsdarstellung

Ihre neue Umwelt ist gezeichnet von karger Arbeit, Traditionen und Ritualen, die selbst für hartgesottene Zuschauer einen beklemmenden Beigeschmack haben. Besonders Agnes’ Schwiegermutter führt ein strenges Regiment, während Agnes verzweifelt versucht, ihre Rolle in dieser Gemeinschaft zu begreifen. Die psychische Enge wird regelrecht spürbar, wenn man sieht, wie Agnes mehr und mehr in die Isolation abdriftet und sich gleichzeitig nicht aus den Fängen ihrer religiös verbrämten Umgebung befreien kann.

„Des Teufels Bad“ zeigt, wie der damalige Volksmund dachte, dass Melancholie von teuflischen Einflüssen herrühre. Für die gläubigen Dorfbewohner gibt es scheinbar nur starre Glaubenssätze, um Menschen wie Agnes zu „retten“ – und die gewaltsamen Konsequenzen nehmen sie billigend in Kauf. Dadurch eröffnet sich ein erschreckender Blick auf die Macht der Kirche, die im Film zu einem allgegenwärtigen Faktor wird.

Kalt und unbarmherzig

Die Figuren müssen stets darauf achten, nicht in Ungnade zu fallen oder als Hexen, Sünderinnen oder schändliche Mörderinnen abgestempelt zu werden. Gerade diese religiös motivierte Ausweglosigkeit verleiht „Des Teufels Bad“ eine drückende Intensität, die lange im Gedächtnis bleibt. Inszenatorisch beherrschen Franz und Fiala ihr Handwerk perfekt. Die ländliche Umgebung wirkt kalt und unbarmherzig.

Es gibt kaum Lichtblicke in den Szenen, weder atmosphärisch noch emotional – und genau das macht den Reiz für Fans des düster angehauchten Horrorfilms aus. Die Kameraarbeit schafft es, die beklemmende Stimmung des 18. Jahrhunderts einzufangen, während Kostüme und Kulissen jede Menge Authentizität ausstrahlen. Wer auf Detailtreue steht, dürfte sich besonders über die stimmige Ausstattung freuen.

Kein Horrorschocker voller Jumpscares

Gleichzeitig setzt der Film auf eine gewisse Direktheit, wenn es um Gewalt und mögliche Tierquälerei geht. Auch wenn im Abspann betont wird, dass keine Tiere zu Schaden kamen, bleibt das Gezeigte nicht spurlos und vermittelt die rohe Härte jener Zeit. Ein großes Plus dieses Werks liegt in der schauspielerischen Leistung. Man spürt die damalige Angst, die unerbittliche Kälte und auch die stumme Verzweiflung, die vor allem Agnes im Verlauf immer mehr umtreibt.

Wer einen Horrorschocker voller Jumpscares sucht, wird hier aber nicht fündig. „Des Teufels Bad“ punktet eher mit verstörender Atmosphäre und dem Gefühl, in eine Zeit ohne Gnade für Schwäche zurückkatapultiert zu werden. Es ist die Mischung aus historischer Genauigkeit, einer bedrückenden, fast schon klaustrophobischen Bildsprache und dem grandiosen Schauspiel, die das Werk ausmacht.

Dabei ist es mehr als eine reine Gruselgeschichte. Hinter den Kulissen offenbart sich ein kritischer Blick auf krankhafte Glaubensvorstellungen, deren Schatten damals wie heute zu spüren sind. Letztlich kann man sagen, dass „Des Teufels Bad“ zwar nichts für allzu schwache Nerven ist, aber gerade durch seine ungeschönte Darstellung der damaligen Zeit beeindruckt. Wer sich auf dieses finstere Kapitel einlässt, taucht in eine Ära ein, in der Glaube und Angst Hand in Hand gingen und es kaum ein Entkommen aus diesem „Bad des Teufels“ gab.

„Des Teufels Bad“ (PLAION PICTURES) VÖ: 27. Mrz. 25