Bernardo Bertoluccis „Der letzte Kaiser“ aus dem Jahre 1987 gehört zu jenen Filmen, die sich nicht einfach nur anschauen lassen – sie werden erlebt. Ab dem 1. Juli 2025 gibt es genau dazu wieder die Gelegenheit. Erstmals in einer restaurierten 4K-Fassung, feiert das legendäre Epos für einen Tag sein Comeback auf der großen Leinwand, als Teil der Best of Cinema Event-Reihe.

Die Geschichte selbst von „Der letzte Kaiser“ klingt beinahe wie ein Märchen, allerdings mit einem bitteren Unterton. Der dreijährige Pu Yi wird 1908 zum Kaiser von China ernannt und zieht in die sagenumwobene Verbotene Stadt ein. Was nach Glanz und Macht klingt, entpuppt sich rasch als prunkvoller Käfig. 1500 Diener folgen ihm auf Schritt und Tritt, niemand widerspricht ihm, und doch ist er nur eine Marionette in einem System, das schon im Zerfallen begriffen ist.

Sog politischer Intrigen und fremder Interessen

Während draußen die Revolution das Reich erschüttert, bleibt innerhalb der Palastmauern die Illusion von Herrschaft bestehen. Erst mit 18 wird Pu Yi erstmals mit der Realität außerhalb seiner Mauern konfrontiert und gerät bald in den Sog politischer Intrigen und fremder Interessen. „Der letzte Kaiser“ war die erste westliche Produktion, die überhaupt in der Verbotenen Stadt drehen durfte.

Ein Privileg, das Bertolucci eindrucksvoll zu nutzen wusste. Denn für das Auge ist dieses Meisterwerk ein Fest. Die Farbkompositionen, die Weite der Palastanlagen, das Spiel mit Licht und Schatten – all das entfaltet in der restaurierten Version eine Wucht, die heute kaum noch zu finden ist. In einer der wohl eindrucksvollsten Szenen marschieren 10.000 Statisten in traditionellen Gewändern zur Krönung auf – ein Moment, der nicht nur cineastisch, sondern auch historisch beeindruckt.

Eine der meistdekorierten Filmproduktionen der 80er

Auch die Produktionsdimensionen von „Der letzte Kaiser“ sind kaum zu fassen. 19.000 Statisten, Originaldrehorte von Peking bis Dalian und eine Ausstattung, die sich nicht mit Kompromissen zufriedengab. Das Ergebnis war nicht nur ein stilistisch ausgefeiltes Porträt eines gefallenen Monarchen, sondern auch eine der meistdekorierten Filmproduktionen der 80er Jahre. So sprechen neun Oscars, darunter Bester Film, Beste Regie und Beste Kamera, vier Golden Globes, zwei BAFTAs und ein César für sich.