Mehr als drei Jahrzehnte sind vergangen, seit „Tanz der Teufel“-Mastermind Sam Raimi mit „Darkman“ einen eigenwilligen Superheldenfilm ins Kino brachte, der sich konsequent jeder Comic-Schablone entzog. Lange bevor bunte Kostüme und vernetzte Filmuniversen den Ton angaben, setzte Raimi auf Schmerz, Wahnsinn und Körperhorror.
Das Ergebnis war ein Film, der nie ganz im Mainstream ankam, sich aber tief ins Gedächtnis vieler Genre-Fans eingebrannt hat und heute definitiv Kultstatus besitzt. „Darkman“ entstand aus einer Originalidee, nicht aus einem bestehenden Comic. Das allein macht den Film innerhalb des Superhelden-Kosmos bis heute zu einer Ausnahme.
Lange Zeit auf dem Index
Die Geschichte um den entstellten Wissenschaftler Peyton Westlake, der mithilfe künstlicher Haut neue Identitäten annimmt, verband Comic-Ästhetik mit Horror-Elementen und einer tragischen Figur, deren moralischer Kompass zunehmend zerbricht. In Deutschland sorgte diese Mischung lange für Probleme. Über zwei Jahrzehnte stand der Film auf dem Index und war nur schwer zugänglich, ehe er schließlich eine reguläre Freigabe erhielt.
Nach dem Kinostart folgten Mitte der 1990er zwar noch zwei Fortsetzungen, diese entstanden jedoch ohne Hauptdarsteller Liam Neeson und ohne Raimis kreative Handschrift. Die Reihe versandete im Heimkino, während Raimi selbst mit ganz anderen Projekten Filmgeschichte schrieb. Spätestens mit seiner Arbeit an großen Comic-Verfilmungen schien „Darkman“ endgültig ein Relikt aus einer anderen Zeit zu sein.
Arbeit an einer direkten Fortsetzung
Nun deutet sich jedoch eine überraschende Wendung an. Sam Raimi arbeitet erneut an dem Stoff, diesmal offenbar mit dem Ziel, die Geschichte fortzuführen. In einem Interview bestätigte er die Existenz eines Drehbuchs und sprach offen über den aktuellen Stand der Dinge: „Ja, Ghost House Pictures [Raimis Produktionsfirma] versucht derzeit, die Fortsetzung auf die Beine zu stellen. Wir haben bereits ein Drehbuch und zwei großartige Regisseure, aber bei der Finanzierung gibt es noch ein paar Schwierigkeiten. Es ist immer dasselbe im Filmgeschäft.“
Die Wahl der Regisseure passt dabei gut zum rauen Ton des Originals. Brian Netto und Adam Schindler, die bereits mit Raimi zusammengearbeitet haben und zuletzt mit einem kompromisslosen Thriller auf sich aufmerksam machten, sollen die Inszenierung übernehmen. Beide gelten als Filmemacher, die Atmosphäre und Psycho-Thrill über Effektspektakel stellen – eine Herangehensweise, die gut zu „Darkman“ passt.
Rückkehr eines gebrochenen, wütenden Antihelden
Interessant ist vor allem, dass offenbar keine Neuinterpretation geplant ist. Statt eines Reboots steht eine direkte Fortsetzung des ursprünglichen Films im Raum. Damit würde ein Kapitel weitergeschrieben, das lange als abgeschlossen galt. In einer Zeit, in der Superheldenfilme oft glattpoliert wirken, könnte die Rückkehr eines gebrochenen, wütenden Antihelden einen markanten Kontrast setzen. Ob das Projekt tatsächlich realisiert wird, hängt nun vor allem von der Finanzierung ab.
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