Filmemacher Alex Garland, der schon oft mit seinen tiefgründigen und herausfordernden Erzählungen beeindruckt hat, kehrte in diesem Jahr mit seinem neuen Film „Civil War“ zurück auf der großen Leinwand. Bekannt wurde Garland durch Genre-Kracher wie „Ex Machina“, „Auslöschung“ und „Men“, und auch in seinem jüngsten Projekt lässt er seiner Vorliebe für komplexe Themen freien Lauf. „Civil War“ ist nun auch für das Heimkino auf Blu-ray und DVD erhältlich.
In „Civil War“ geht es in eine nahe Zukunft, 158 Jahre nach dem historischen Amerikanischen Bürgerkrieg. In diesem alternativen Amerika finden sich die Vereinigten Staaten erneut in einem Bürgerkrieg, wobei neunzehn westliche Bundesstaaten, darunter Schwergewichte wie Texas und Kalifornien, ihre Unabhängigkeit erklären. Die Spannungen eskalieren schnell zu einem verheerenden militärischen Konflikt.
Im Zentrum von „Civil War“ steht die Fotojournalistin Lee Smith (Kirsten Dunst), die gemeinsam mit ihrem Kollegen Joel (Wagner Moura), der angehenden Fotojournalistin Jessie (Cailee Spaeny) sowie Lees Mentor Sammy (Stephen McKinley Henderson) durch das kriegszerrissene Amerika reist. Garlands „Civil War“ bietet dabei nicht nur eine spannende Grundprämisse, sondern auch eine beeindruckende Laufzeit von 195 Minuten.
Hierbei finden sich die Charaktere in einer Reihe von gefährlichen und oft herzzerreißenden Situationen wieder, die das Ausmaß des Konflikts und die persönlichen Dramen, die sich darin entfalten, greifbar machen. Obwohl der Film in technischer Hinsicht beeindruckend ist und die Schrecken und Verwüstungen eines modernen Bürgerkriegs eindrucksvoll darstellt, gibt es Abzüge in der B-Note.
So wünscht man sich doch mehr Tiefe im Film, was auf einer recht zurückhaltenden Erzählweise ruht. Darüber hinaus kommt „Civil War“ leider mit einer recht dünnen Charakterzeichnung daher. Hier hätte man sich mehr Zeit nehmen sollen sowohl in der Entwicklung der Charaktere als auch im Verständnis der politischen Hintergründe, die zu diesem dystopischen Szenario führen.
Grundsätzlich gefällt die Reise der Charaktere durch das kriegsgebeutelte Land und ihre Begegnungen mit Gewalt und Zerstörung, die als düsterer Hintergrund für eine Geschichte über den Mut und die ethischen Herausforderungen von Journalisten in Konfliktzonen dienen. Während Lee Smith als kompetente Journalistin dargestellt wird, wirken andere Charaktere leider weniger überzeugend.
So zum Beispiel Jessie, eine junge Fotojournalistin, die ohne jegliche professionelle Ausbildung in den Journalismus hineingestolpert zu sein scheint, was Fragen nach ihrem Engagement und ihren Beweggründen aufwirft. Letztendlich stellt „Civil War“ durchaus eine faszinierende, wenn auch polarisierende Betrachtung einer gespaltenen Nation dar, die vor den Augen der Welt ins Chaos versinkt.
Garland nutzt den Film nicht nur, um zu unterhalten, sondern auch um zu warnen: Er skizziert ein Szenario, das zwar fiktiv ist, aber dennoch nachdenklich stimmt über die Richtung, in die sich unsere eigene Welt entwickeln könnte. Trotz seiner Mängel bleibt „Civil War“ letztendlich ein visuell beeindruckendes und nachdenkliches Werk, das sicherlich dazu anregt, über die möglichen Konsequenzen von politischer Spaltung und sozialer Unruhe nachzudenken.
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