„Bring Her Back“ ist der neue Psycho-Horror von Danny und Michael Philippou, den Machern von „Talk to Me“, der jetzt endlich auch fürs Heimkino auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Die beiden Brüder bleiben hierbei ihrem bitterbösen Stil treu, gehen aber dieses Mal noch kälter, intimer und psychisch härter ran. Statt Party-Horror oder Dämonen-Show gibt es hier eine Art Familienhölle, die sich langsam schließt.

Im Mittelpunkt stehen zwei Geschwister, die nach dem Tod ihres Vaters in eine Pflegefamilie kommen. Das klingt erstmal nach Sozialdrama, aber die Sache kippt rasant. Die Pflegemutter Laura wirkt anfangs fürsorglich, fast übernett. So ein Typ „Ich kümmere mich um euch, ich bin für euch da, ihr seid bei mir sicher“. Genau das macht sie unterdessen aber auch ultra unheimlich. Denn hinter diesem Lächeln lauert etwas Kontrollierendes, Besitzergreifendes, Brandgefährliches und Bösartiges.

Pointierte Nadelstiche, die sitzen

Man spürt früh, dass sie keinen Schutz anbietet, sondern Anspruch erhebt. Und ab da zieht der Film die Schrauben immer weiter an. „Bring Her Back“ zielt indes nicht auf die lauten Effekte. Er arbeitet mit Druck. Mit diesem unterschwelligen Gefühl, dass etwas ganz Grundlegendes schiefläuft und niemand von außen hilft. Die Philippou-Brüder sind extrem gut darin, Räume klaustrophobisch wirken zu lassen, Blickkontakte länger stehen zu lassen, als es angenehm wäre, und kleine Machtspiele so zu inszenieren, dass sie schlimmer wirken als ein Messer im Rücken.

Das erinnert stellenweise an sehr an Genrehits wie „Hereditary“, aber ohne eine Kopie zu sein. Es ist die gleiche emotionale Wucht, die gleiche Trauerenergie, nur noch direkter in der psychischen Abhängigkeit. Dazu kommt, dass „Bring Her Back“ immer wieder kurze, ultrabrutale Spitzen setzt. Dies in Form körperlicher Gewalt, die nicht geglättet wirkt, sondern schmutzig, roh und schockierend. Hier werden fiese Nadelstiche gesetzt, die sitzen und lange nachbrennen.

Trauer, Kontrolle, Abhängigkeit

Genau dadurch entsteht fast durchweg dieses Gefühl, dass es hier gleich jeden Moment komplett eskalieren wird, auch in eigentlich stillen Szenen. Der Horror kommt nicht von einem Monster aus dem Keller, sondern aus einer Beziehung, die verdreht wurde. Richtig stark ist auch der Cast. Sally Hawkins gibt Laura als Figur, die man gleichzeitig fürchtet und beinahe versteht. Sie ist keine Comic-Bösewichtin, sondern ein Mensch, der nach dem Verlust der eigenen Tochter innerlich zerbrochen ist und jetzt alles tut, um dieses Loch wieder zu füllen – egal, zu welchem Preis.

Das macht sie so unangenehm greifbar. Hawkins spielt das ruhig, aber mit einer Intensität, die langsam unter die Haut kriecht. Billy Barratt auf der Gegenseite holt viel aus der Perspektive der Pflegekinder raus. Trauer, Wut, Angst davor, für immer in dieser neuen Familie festzuhängen, und gleichzeitig der Versuch, noch irgendeine Kontrolle zu behalten. Dazu kommen Sora Wong, Jonah Wren Phillips, Sally-Anne Upton und Stephen Phillips, die den Cast gelungen abrunden.

Ein Horror-Meisterwerk

Alles in allem liefert „Bring Her Back“ eine grandios düster-beklemmende Atmosphäre, psychische Gewalt und rabiate Bilder, die man so schnell nicht wieder loswird. Es ist ein finsterer Albtraum, der Dauergänsehaut und mächtig viel Unbehagen generiert. Ein wahres Horror-Meisterwerk, das in seiner Ruhe so maximal böse ist und so unfassbar kreativ die Themen Trauer, Verlust und Besessenheit vereint. Auch deshalb gehört „Bring Her Back“ zu den besten Genrefilmen des letzten Jahrzehnts!

„Bring Her Back“ (Sony Pictures Entertainment) VÖ: 30. Okt. 25