Es gibt Filme, die einen Nerv treffen, weil sie genau zur richtigen Zeit die richtigen Tabus brechen. Und es gibt Filme wie „Basic Instinct“, die einfach alles in Flammen setzen. Als Paul Verhoevens Erotik-Thriller 1992 in die Kinos kam, war das kein gewöhnlicher Kinoabend. Es war ein Ereignis!
Gewalt, Sex, Machtspiele und mittendrin Sharon Stone mit einer der ikonischsten Szenen, über die man bis heute spricht. Mehr Provokation war im Mainstream-Kino kaum denkbar. Und nun, satte 33 Jahre später, plant Amazon tatsächlich ein Reboot dieses legendären Films. Was zunächst wie eine aus der Zeit gefallene Idee klingt, hat es in sich.
Vor allem, weil kein Geringerer als Joe Eszterhas, der Drehbuchautor des Originals, wieder mit an Bord ist. Der Mann, der sich in den 90ern mit seinen skrupellos-sinnlichen Stoffen einen Ruf als Hollywoods enfant terrible erarbeitet hat, kehrt mit 80 Jahren zurück an die Schreibmaschine, oder besser gesagt den PC. Und Amazon zögert nicht lange, greift tief in die Tasche und überweist Eszterhas zwei Millionen Dollar.
Noch bevor überhaupt ein einziger Take gedreht wurde. Kommt der Film tatsächlich zustande, winken ihm sogar insgesamt vier Millionen. Wird das neue „Basic Instinct“ ein nostalgischer Rückblick oder ein Frontalangriff auf das heutige Kinoverständnis? Zumindest deutet einiges auf Letzteres hin. Angeblich soll das Reboot „Anti-Woke“ sein – wie auch immer man das verstehen soll. Es klingt jedenfalls nicht nach politisch korrekt gebügeltem Erotikdrama.
Und Eszterhas? Der begegnet möglichen Zweifeln an seiner Tauglichkeit für den Stoff mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. „An diejenigen, die fragen, warum ein 80-jähriger Mann einen sexy, erotischen Thriller schreibt: Die Gerüchte über meine filmische Impotenz sind übertrieben und altersdiskriminierend“, sagt er gegenüber „The Wrap“.
Worum es in der neuen Version gehen soll, ist derzeit noch völlig unklar. Dass Amazon aber mit einem Regie-Debütanten oder vorsichtigen Modernisierungen nichts am Hut hat, zeigt allein die Wahl des Autoren. Man will offenbar provozieren, und das nicht zu knapp. Schon das Original war mehr als nur ein Thriller – es war ein Spiel mit der Lust, ein Spiegel für Macht und Manipulation, durchzogen von Momenten, die sich unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt haben.
Der Originalstreifen „Basic Instinct“ dreht sich um den Cop Nick Curran (Michael Douglas), der in San Francisco in einem bizarren Mordfall ermittelt. Die Hauptverdächtige: Catherine Tramell (Sharon Stone), eine smarte und sinnlich gefährliche Autorin. Zwischen beiden entspinnt sich ein brisantes Machtspiel, bei dem nicht mehr klar ist, wer hier eigentlich Jäger und wer Beute ist.
Mit seinen doppelbödigen Dialogen, plötzlichen Wendungen und der sexuell aufgeladenen Atmosphäre hat der Film Maßstäbe gesetzt. Dass er dabei auch massiv polarisiert hat, ist Teil seiner DNA. Ob Amazon mit dem Reboot diesen Nerv erneut trifft oder einfach nur eine Debatte anzetteln will – das bleibt offen.
:quality(90))