Disney scheint derzeit einen deutlichen Kurswechsel einzuleiten. Denn nach dem heftigen Absturz der jüngsten „Schneewittchen“-Realverfilmung scheint der Konzern jetzt ernsthaft den Kurs zu korrigieren. Ein besonders prominentes Opfer dieser Neuausrichtung ist dabei die geplante Live-Action-Version von „Bambi“.

Ein Projekt, das viele neugierig gemacht hat und andere eher nervös. Denn in den letzten Jahren drehte Disney ordentlich an der Nostalgieschraube. Klassiker in neuem Glanz? Lief lange gut, bis die Rechnung irgendwann nicht mehr aufging. Auch wenn Titel wie „Lilo & Stitch“ unerwartet auf der Gewinnerseite landeten und mit einem geplanten Sequel sogar ein Zeichen setzte.

Jüngste Fehltritte und hohe Investitionen

Doch die jüngsten Fehltritte im Kinobereich und hohe Investitionen in Disney+ sorgten dafür, dass plötzlich wieder konservativer geplant wird. „Bambi“ gilt als einer dieser Stoffe, bei denen selbst Studio-Giganten vorsichtig werden. Denn melancholische Waldidylle, stille Naturpoesie und der ikonische Moment, in dem ein junges Rehkitz seine Mutter verliert. Ja, das lässt sich nicht mal eben mit CGI-Glanz und Pop-Soundtrack modernisieren.

Gerade der emotionale Kern des Animationsklassikers aus dem Jahr 1942 ist etwas, das sich nicht einfach beliebig aktualisieren lässt, ohne seinen Zauber zu verlieren. Ein zentrales Puzzleteil in der Gerüchteküche war Oscar-Preisträgerin Sarah Polley. Immer wieder als mögliche Regisseurin ins Spiel gebracht, klärte sie in einem Interview mit „Vanity Fair“ die Sache auf:

„Ich hätte etwas sehr Düsteres daraus machen können.“

„Ich war nie offiziell daran beteiligt. Ich hatte ein, zwei Gespräche darüber, aber es kam zu keiner Einigung, ich hatte nie etwas unterschrieben, es war also eher ein Internetphänomen als etwas Reales.“ Dazu kursierte die Behauptung, Lindsey Anderson Beer, bekannt durch „Friedhof der Kuscheltiere: Bloodlines“, hätte das Drehbuch übernehmen sollen. Ebenfalls Fehlanzeige!

Trotzdem zeigte Polley echtes Interesse daran, dem Stoff einen unerwartet dunklen Ton zu verleihen. Ihre Gedanken dazu klingen beinahe nach einer A24-Interpretation eines Disney-Klassikers: „Ich habe zwar mit ihnen gesprochen, aber ich habe damals an vielen anderen Dingen gearbeitet, auf die ich mich letztlich mehr konzentriert habe. Ich finde es aber tatsächlich superinteressant, den Film neu zu verfilmen. Mich hat vor allem der Aspekt des frühen Todes der Mutter fasziniert. Ich hätte etwas sehr Düsteres daraus machen können.“

Ein Film, der Generationen geprägt hat

Offiziell ist das Ende des Projekts bisher nicht. Aber die Aussagen der Beteiligten, kombiniert mit Disneys aktueller Strategie, sprechen eine deutliche Sprache. Ein stiller Rückzug also, bevor die Produktion überhaupt Fahrt aufgenommen hat. Dabei trägt die Vorlage bis heute eine ganz eigene Magie in sich. „Bambi“ bleibt ein frühes Disney-Meisterstück, ein poetischer Blick in eine Welt der Natur, die zugleich wunderschön und brutal ist.

Ein Film, der Generationen geprägt hat und dessen leise Momente oft mehr sagen als laute Blockbuster-Bilder. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Disney hier lieber innehält, statt blind den nächsten Realfilm anzuschieben.

Quelle: kinocheck.de