„Bagman“ aus dem Jahr 2024 hat endlich auch den Weg ins Heimkino gefunden und lädt ab sofort auf DVD und Blu-ray zum gepflegten Grusel ein. Wer düstere Geschichten schätzt und Lust auf eine düstere Legende hat, die jede Nachtruhe durcheinanderwirbelt, dürfte hier fündig werden. Hinter der Kamera steht Colm McCarthy, dessen Name Horrorfans bereits über Produktionen wie „The Girl with All the Gifts“ oder beliebte Serien wie „Sherlock“ und „Peaky Blinders“ geläufig sein dürfte.
Vor der Kamera sind unter anderem Sam Claflin und Antonia Thomas zu sehen, die als Ehepaar in eine unheimliche Familiengeschichte hineingeraten. Obwohl „Bagman“ zunächst wie ein klassischer Haunted-House-Stoff wirkt, lauert zwischen knarrenden Treppenstufen und dunklen Ecken eine alte Sagengestalt, die längst in Vergessenheit geraten war. „Bagman“ setzt in dem Haus an, in dem Patrick seine Kindheit verbrachte. Begleitet von seiner Frau kehrt er an diesen Ort voller Erinnerungen zurück.
Doch statt des nostalgischen Flairs erwartet die beiden eine unheimliche Präsenz, die über Jahre hinweg im Verborgenen schlummerte und sich nun erneut bemerkbar macht. Schon bald zeigt sich, dass die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen, wenn die Legende vom sogenannten Bagman wieder Gestalt annimmt. Dabei dreht sich alles um die Frage, ob diese Sagengestalt tatsächlich reale Gefahr bedeutet – vor allem für das Kind der Eheleute, das ins Fadenkreuz des Schreckens gerät.
Der Mythos um den Bagman ist keine x-beliebige Schauermär, denn das Wesen, von dem man flüsternd erzählt, verschwindet nicht bloß im Nebel unbestimmter Legenden. Dieses Wesen hat eine besondere Vorliebe für unschuldige Kinder und scheint seine Opfer in einem alten Sack zu verschleppen. Diese Idee erinnert an volkstümliche Geschichten vom schwarzen Mann, der stets im Dunkel lauert und sich die Schwächsten holt. Auf den ersten Blick klingt das altbekannt, aber gerade in „Bagman“ wird diese Erzählung noch durch Psycho-Horror ergänzt.
Statt simpler Jumpscares setzt „Bagman“ auf eine gewisse Heimtücke, die vor allem auf der Beklommenheit basiert. Dabei entsteht eine unangenehme Nähe, wenn man merkt, dass das Grauen vielleicht schon die ganze Zeit an diesem Ort existierte, aber erst jetzt richtig zum Vorschein kommt. Ein starker Faktor für das beunruhigende Flair ist die Mischung verschiedener Horror-Elemente. Während einige Szenen fast an einen klassischen Home-Invasion-Film erinnern, schwingt im Hintergrund stets eine okkulte Komponente mit.
Dieser Spagat zwischen handfestem Schrecken und mystischer Folklore sorgt für eine beständige Anspannung, die sich langsam steigert. Dazu trägt auch die akustische Untermalung bei. Denn unheilvolle Klänge, subtile Geräusche und gedämpftes Flüstern verschmelzen zu einem Sounddesig für reichlich Nevernkitzel. „Bagman“ legt den Fokus nicht bloß auf den Schrecken an sich, sondern auch auf menschliche Abgründe.
Während Patrick versucht, die Dämonen seiner Vergangenheit zu begreifen, gerät sein Familienleben ins Wanken. Durch ihre Perspektive verschiebt sich die Sichtweise darauf, wie viel Wahrheit in Patricks Erlebnissen steckt und ob nicht doch alles nur ein Hirngespinst sein könnte. Genau hier entsteht der psychologische Nervenkitzel, denn man fühlt mit den Figuren, selbst wenn man längst ahnt, dass hier sehr reale Gefahren lauern.
Wer sich also lieber von subtilen Schreckmomenten fesseln lässt, wird hier fündig, denn „Bagman“ verzichtet größtenteils auf Splatter-Effekte. Wer gerne unheimliche Stunden im eigenen Wohnzimmer verbringt und dabei Lust auf eine unheilvolle Legende hat, kann sich von diesem Film auf eine ungemütliche Reise mitnehmen lassen. Ohne große Effekthascherei erzeugt er eine intensive Grundstimmung und baut langsam eine beklemmende Dynamik auf, die viele Horrorfans an jene Erzähltraditionen erinnert, in denen der Grusel ohne explizite Brutalität auskommt.
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