Die Rückkehr eines der kontroversesten Thriller der Filmgeschichte nimmt nun konkrete Formen an. Was lange Zeit nur als Gerücht durch die sozialen Medien geisterte, wurde auf der CinemaCon von keinem Geringeren als Luca Guadagnino bestätigt. Denn der gefeierte Regisseur arbeitet tatsächlich an einer Neuinterpretation von „American Psycho“.
Ein Projekt, das den schmalen Grat zwischen gesellschaftskritischem Psychogramm und blutigem Albtraum aufs Neue beschreiten will – diesmal im Gewand des digitalen Zeitalters. Mit seinem Gespür für verstörende Ästhetik und vielschichtige Charaktere scheint Guadagnino die perfekte Wahl für ein Remake zu sein, das hohe Erwartungen weckt.
Schon seine Version von „Suspiria“ bewies, dass er keine Angst davor hat, Klassiker neu zu denken – radikal, bildgewaltig, kompromisslos. Über seinen neuen Film sagt er: „Wir arbeiten wirklich hart daran, eine neue Adaption von Bret Easton Ellis’ ‚American Psycho‘ auf die Leinwand zu bringen – ein Buch, das ich zutiefst liebe und das mich sehr beeinflusst hat.“
Die Romanvorlage von Ellis erschien 1991 und löste bei Erscheinen einen Sturm der Entrüstung aus. Die Geschichte des narzisstischen Investmentbankers Patrick Bateman, der in New York zwischen Visitenkarten-Vergleichen, Aerobic-Einheiten und kaltblütigen Morden pendelt, ist längst zum Symbol für die moralische Leere der Yuppie-Kultur geworden.
Die filmische Adaption von Mary Harron aus dem Jahr 2000, in der Christian Bale mit verstörender Intensität glänzte, wurde rasch zum Kultfilm. Doch ausgerechnet der Autor selbst war es, der kürzlich Zweifel an der geplanten Neuverfilmung streute. Bret Easton Ellis erklärte, ihm sei zugetragen worden, dass es sich lediglich um eine gezielte Falschmeldung handle, die die Reaktionen des Publikums testen sollte.
Diese Behauptung brachte kurzzeitig Unsicherheit in die Gerüchteküche – bis Guadagnino nun persönlich den Schleier lüftete und das Projekt offiziell bestätigte. Auch das Drehbuchteam hinter dem Remake lässt aufhorchen. Scott Z. Burns, bekannt für seine Arbeit an „Contagion“ und „The Report“, liefert das Skript zur Neuauflage. Guadagnino lobte den Drehbuchautor in höchsten Tönen:
„Er macht einen unglaublichen Job. Das Drehbuch kommt sehr gut an.“ Spannend ist vor allem die geplante Verlagerung der Handlung in die Gegenwart. Wo Bateman einst durch die glitzernde Welt der 80er schlich, könnte er künftig im Kosmos von Influencern, Self-Tracking-Apps und toxischer Online-Kultur operieren. Wie ein Serienkiller in einer Welt funktioniert, in der jeder Schritt öffentlich dokumentiert werden kann, ist eine Frage, die das Remake aufgreifen will.
Das Versprechen, die gesellschaftliche Satire in einen modernen Kontext zu überführen, macht dieses Projekt besonders reizvoll. Was den Cast betrifft, bleibt es weiterhin mysteriös. Zwar kursierte eine Zeit lang das Gerücht, dass Austin Butler die Hauptrolle übernehmen würde, doch Guadagnino stellte klar, dass die Besetzung noch nicht entschieden sei. „Ich führe gerade Gespräche mit sehr spannenden Darstellern“, ließ er verlauten.
Mit dieser Neuauflage greift Lionsgate jedenfalls nach einem ganz besonderen Stück Filmgeschichte. „American Psycho“ war nie ein einfacher Film. Er war unbequem, verstörend, manchmal grotesk komisch – und genau deshalb so einprägsam. Der neue Ansatz will sich an diesem Erbe messen lassen, ohne es bloß zu imitieren.
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