Was als ambitionierter Fantasy-Gigant startete, endet nun überraschend still – und vor allem endgültig. Amazons „Das Rad der Zeit“ dreht sich nämlich nicht weiter. So ist nun nach drei Staffeln offiziell Schluss mit der Serie. Dabei schien der Stoff prädestiniert für viele Jahre Streaming-Geschichte – große Namen, eine riesige Buchvorlage und ein Produktionsbudget, das eher an Kinoleinwand als Serienabend erinnerte.
Doch wie so oft im Streaming-Geschäft zählt am Ende nicht das Herzblut, sondern der Output. Und der fiel zuletzt schlicht zu schwach aus. Nach dem Finale der dritten Staffel, dass erst vor wenigen Wochen bei Amazon Prime Video ausgestrahlt wurde, rechneten viele noch mit einer Fortsetzung. Die Story ließ einiges offen, das Ende wirkte eher wie ein Zwischenschritt als ein Schlusspunkt.
Und doch kam jetzt die ernüchternde Nachricht, dass die Fantasy-Serie nicht verlängert wird. Offiziell heißt es, finanzielle Gründe hätten zur Absetzung geführt. Hinter den Kulissen dürften aber auch die abflachenden Zuschauerzahlen eine Rolle gespielt haben. Während die ersten beiden Staffeln noch durchgängig in den Nielsen-Top-10 auftauchten, schafften es von Staffel 3 nur drei Episoden überhaupt in die Charts.
Dabei war die dritte Staffel bei Kritikern besser angekommen als je zuvor. Dennoch war der Aufwand schlicht zu groß, die Kulisse zu episch, die Gagen zu hoch. All das ließ sich am Ende wohl nicht mehr gegen sinkende Reichweiten rechtfertigen. Laut Amazon sei die Entscheidung nicht leichtgefallen. Die Serie habe auch intern viele Fans gehabt.
„Das Rad der Zeit“ basierte auf der gleichnamigen Romanreihe von Robert Jordan. Einer Fantasywelt, die in puncto Komplexität locker mit „Der Herr der Ringe“ mithalten kann. Magie, Prophezeiungen, uralte Wesen und ein Zeitalter, das sich neu formt – das Universum war riesig und dicht erzählt. Mitten mittendrin, Moiraine Damodred, verkörpert von Rosamund Pike, die nicht nur vor der Kamera glänzte, sondern auch als Produzentin beteiligt war.
Moiraine Damodred, eine Magierin der Aes Sedai, suchte in „Das Rad der Zeit“ den „wiedergeborenen Drachen“, eine Art Schicksalsfigur zur Rettung der Menschheit. Gefunden wurde er in Rand al’Thor (Josha Stradowski), einem Bauernsohn mit erstaunlichem Schicksal und mächtigen Feinden. Mit ihm auf der Reise waren eine junge Truppe, darunter Egwene (Madeleine Madden), Nynaeve (Zoë Robins), Perrin (Marcus Rutherford) und Mat, der in Staffel 1 noch von Barney Harris gespielt wurde.
Später übernahm Dónal Finn. Als düstere Gegenspieler agierten die „Schattenwesen“, deren Angriff auf das friedliche Dorf der Zwei Flüsse den Ausgangspunkt für die Flucht und das gemeinsame Abenteuer lieferte. Weitere Rollen wurden mit Natasha O'Keeffe, Daniel Henney, Kate Fleetwood oder Ayoola Smart besetzt und Staffel 3 brachte sogar deutsche Prominenz. Dies mit Schlagersänger und „Unter uns“-Darsteller Björn Landberg, der unter anderem als Neuzugang mitmischte.
Die literarische Vorlage stammt indes aus einer Zeit, als High Fantasy im Bücherregal noch als echtes Nerd-Material galt. Von 1990 bis 2007 veröffentlichte Robert Jordan insgesamt elf Romane sowie einen Prequel-Band. Nach seinem Tod übernahm Fantasyautor Brandon Sanderson die Vollendung der Geschichte – basierend auf Jordans Notizen, die derart umfangreich waren, dass am Ende gleich drei Abschlussbände daraus wurden. Im deutschen Sprachraum wurde das Ganze sogar auf 37 Einzelbände verteilt.
Doch weder diese Masse an Vorlagen noch die weltweite Fanbase konnten „Das Rad der Zeit“ im Serienformat langfristig retten. Eine Rückkehr der Serie auf einer anderen Plattform ist aktuell ausgeschlossen. Die Rechte liegen fest bei Amazon und Sony Pictures Television, wo man sich nach langen Gesprächen schließlich gegen eine weitere Staffel entschied. Das Rad hat sich also ausgezaubert – vorerst für immer.
:quality(90))