Nach einer herrlich idealistischen Anfangsphase sind Streamingdienste leider viel zu schnell erwachsen geworden. Der Drang nach Rebellion gegen die klassischen TV-Sender ist kaltem Profitkalkül gewichen. Preise steigen unaufhörlich, die Werbung nimmt zu, und Inhalte werden dem Geschäftsmodell angepasst.
Ein Ende dieser bedauernswerten Entwicklung scheint nicht in Sicht zu sein. So plant aktuell etwa Amazon eine umfassende strategische Neuausrichtung seiner Streaming-Plattform Prime Video, um den Dienst bis Ende 2025 profitabler zu machen.
Wie das Wirtschaftsportal „The Information“ berichtet, möchte sich das Unternehmen zu diesem Zweck in Zukunft zunehmend auf Live-Sportübertragungen konzentrieren, welche mit Blick auf die dabei generierten Werbeeinnahmen als gewinnbringender erscheinen. Ein Plan, der bereits 2022 im Rahmen eines Strategietreffens abgesegnet worden war. Gleichzeitig soll das Budget für Eigenproduktionen von Filmen und Serien gesenkt werden.
Amazon investiert schon jetzt jährlich ungefähr 3 Milliarden Dollar in Senderechte für große Sportligen, wie etwa die NFL. Ein äußerst wichtiger und entsprechend hoch budgetierter Vertragsabschluss war dabei der erst kürzlich erfolgte Teilerwerb der NBA-Übertragungsrechte im Juli 2024 für satte 77 Milliarden Dollar. Diesen stemmte aber selbst Amazon nicht alleine, sondern gemeinsam mit NBCUniversal.
So ganz wird sich Amazon Prime Video selbst vor dem Hintergrund derartiger Investitionen aber wohl nicht von seinen Eigenproduktionen trennen können oder wollen. Immerhin hat man dort einige Erfolgsserien in petto, wie etwa die Superhelden-Satire „The Boys“, die es bislang auf immerhin vier Staffeln brachte. Kleine Info am Rande dazu: Nachdem die aktuelle Staffel beim Publikum durchfiel, soll nach der kommenden fünften Schluss sein.
Natürlich gibt es auch noch „Reacher“ oder „Invincible“. Fakt ist aber auch, dass das Interesse im Vergleich zu den Filmen und Serien der Konkurrenz deutlich geringer ausfällt. Daten von „Statista“ zeigen, dass die Nachfrage nach Eigenproduktionen von Amazon Prime Video in Deutschland im Jahr 2021 etwa 10,5 Prozent betrug. Im Vergleich dazu hatte Netflix im selben Zeitraum einen Anteil von 47,6 Prozent.
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